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Jasmin Rose AFF Fallschirmsport Damme 04Zwischen Himmel und Erde: Jasmins Weg zur Fallschirmspringerin

Als sich die Flugzeugtür auf 4.000 Metern öffnet und kalte klare Luft ins Flugzeug strömt, ist Jasmin innerlich plötzlich ganz still. Adrenalin ist in jeden Winkel ihre Körpers gekrochen und hat die Macht übernommen. AFF-Master Dirk klettert aus dem Flieger, bittet Jasmin mit einer Handbewegung in die Tür, AFF-Master Thomas folgt ihr von Innen. Jetzt spult die 31-Jährige ihr zuvor am Boden exzessiv geprobtes Programm ab: Check-In, Check-Out, Prop, hoch, runter und raus. Jasmin lässt los, fällt, nein, schwebt, spürt ein Kissen an Luftwiderstand unter ihrem Bauch, rechts sowie links an ihrer Seite ihre AFF-Master und unter ihr die große weite Welt, die plötzlich so klein aussieht.

Stille am Fallschirm

Bis 1.750 Meter heißt es nun „Arbeiten“. Sie zeigt ihren treuen Begleitern, was sie unten gemeinsam geübt haben. Stabiles „Richtung Erde fallen“ und ein Bewusstsein für die Höhe entwickeln, die sie immer wieder mit ihrem Höhenmesser kontrolliert. Dann das Ziehen des Fallschirms: erfolgreich zieht sie ihre „Bremse“ und plötzlich ist es ganz still. Das Rauschen des Freifalls und die Motorengeräusche des Flugzeuges sind verschwunden, nur noch die Stille bleibt zurück, die Jasmin mit einem lauten Jubelschrei zerschneidet. Jetzt noch volle Konzentration bei der Schirmfahrt. Plötzlich knackt es kurz im Helm und Heino meldet sich vom Boden über ein Funkgerät bei Jasmin. „Hallo Jasmin, ich hoffe, es ist bisher alles gut verlaufen, wir konzentrieren uns jetzt auf die Landung. Bisher machst du alles sehr gut. Ich korrigiere dich nur, wenn ich muss.“ Und weg ist die Stimme. Nun ist Jasmin wieder allein. Spult gedanklich ihre Landeeinteilung ab, die sie ebenfalls immer und immer wieder geübt hat.

Jasmin Rose AFF Fallschirmsport Damme 02Die Erde hat sie wieder

Mit langsamen Kreisen baut sie mit ihrem Fallschirm die Höhe ab. Obwohl, Stopp, Halt, eigentlich will sie noch nicht unten sein, viel lieber die Aussicht und schöne Luft ganz oben genießen. Jedoch muss sie ja irgendwann nach unten und mit den Lenkbewegungen sorgt sie dafür, dass sie sich nicht vom Landeplatz entfernt. Die Welt wirkt von hier oben so ruhig, die weltlichen Probleme sind wie weggepustet. Hier gibt es nur Jasmin. „Jasmin, bitte eine Kurve nach rechts.“ Heino ist wieder da, gibt eine kurze Anweisung. „So ist es gut.“ Jetzt kommt die Landwiese schon näher. Alles wird größer, die Häuser, die Autos und die Menschen sind wieder eindeutig zu erkennen. Jetzt macht sie sich langsam fertig für den Einflug ins Landegebiet. Bei 300 Metern mit Wind Richtung Landwiese, bei 100 Metern gegen den Wind stellen, Hände und Steuerleinen sind ganz oben, volle Fahrt voraus. Die Wiese huscht unter den Füßen her, jetzt nach vorne schauen und Horizont im Blick behalten. „Augen… Schultern… Hüfte… Suuuper.“ Schon hat Jasmin wieder Boden unter den Füßen. Dann plötzlich fällt sie doch noch hin, ganz sanft. Egal, geschafft! Geschafft, geschafft, geschafft. Der Jubelschrei, der jetzt aus Jasmins Mund folgt, ist noch viel lauter, als der nach der Schirmöffnung. Sie rappelt sich auf, hüpft und springt, wie es Fallschirm, Helm, Gurtzeug und Puddingbeine zulassen. „Gigantisch, super geil, unvergleichbar…“, erinnert sich Jasmin hinterher.

Jasmin Rose AFF Fallschirmsport Damme 01Mit knapp 30 Fallschirmsprüngen zur Lizenz

Nach dem ersten AFF-Level folgen noch sechs weiteren AFF-Sprünge. Und nach insgesamt 29 Fallschirmsprüngen absolviert Jasmin ihre theoretische sowie auch praktische Fallschirmsprungprüfung und erhält schon im Herbst ihre Fallschirmsprunglizenz, die sie nun dazu berechtigt, ein Luftfahrtgerät zu führen. „Darauf bin ich wirklich sehr, sehr stolz“, erklärt sie. Denn der Weg war auch nicht immer einfach. Wenn Angst und Respekt vor dem nächsten Sprung beinahe so mächtig wurden, dass sie überlegte aufzuhören. „Manchmal tat es richtig weh, wenn ich den Kopf nicht ausschalten konnte. Ich habe mich dann oft gefragt, warum ich nicht einfach unten bleibe und die Sonne genieße“, erinnert sie sich. Doch der Wunsch wieder nach oben zu kommen, war stärker. Noch heute hat sie Respekt – den sie auch nie verlieren wird – und auch ein bisschen Angst, aber das ist nicht mehr vergleichbar mit den Gefühlen am Anfang. Auch die Atmosphäre am Sprungplatz, die Menschen, die ihr in den letzten Monaten ans Herz gewachsen sind und mit denen sie auch Freundschaften geschlossen hat, bilden die Faszination dieses Sportes.

Jasmin Rose AFF Fallschirmsport Damme 03Erst zwei Tandemsprünge, dann die Ausbildung

„Ich wollte mit meinem 30. Geburtstag mal was Verrücktes tun, vielleicht auch etwas ändern in meinem Leben. Dass es mich nach meinem Tandemsprung im Mai 2016 so packen würde, habe ich nicht gedacht.“ Denn eigentlich hat die junge Frau Flug- und Höhenangst. Doch die spielen beim Sprung gar keine Rolle mehr. Wie geheilt fühlt sie sich. Nur wenige Wochen später wiederholt sie den Tandemsprung und beschließt: Das ist mein neues Lebens, das ist mein neues Hobby. Und verändert damit eigentlich alles. „Jedes Wochenende am Sprungplatz ist wie ein Kurzurlaub. Montag habe ich wieder ganz neue Kraft, die mich durch den Alltag bis zum nächsten Freitag bringt.“ Natürlich sind ihre Eltern von der neuen Passion nicht sehr begeistert. „Mein Vater sagte, nach dem ich meine Lizenz in den Händen hielt: Super, Glückwunsch. Na, dann kannst du jetzt wieder aufhören. Das wäre so, als wenn ich einen Führerschein machen und mich danach nie wieder ins Auto setzen würde“, erzählt sie lachend. Springen ist für sie so wichtig geworden, dass sie nun jeden Euro für diese Hobby zurücklegt. Lächelnd krempelt sie ihren Pulloverärmel hoch und zeigt ein neues Tattoo an ihrem Arm: Es zeigt einen Pin, der den Container ihres Fallschirmgurtzeuges verschließt. Er gilt als Kennzeichen, ja als Markenzeichen für diesen ungewöhnlich tollen Sport.

Video: Sven Schillmüller (AFF- und Tandemmaster bei Fallschirmsport Damme)

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